Viele Wohngebäude verbrauchen mehr Energie als nötig, und das nicht wegen eines Defekts, sondern weil die Gebäudetechnik nicht optimal eingestellt ist. Abhilfe kann eine energetische Betriebsoptimierung schaffen.
Text: Viktor Sammain
Ein Mehrfamilienhaus irgendwo im Baselbiet. Auf den ersten Blick scheint alles problemlos zu funktionieren. Die Heizung läuft, warmes Wasser ist verfügbar, die Gebäudetechnik arbeitet zuverlässig. Und trotzdem: Das Haus verbraucht mehr Energie als nötig. Woran kann das liegen? Daniel Arm, Energieberater bei Primeo Energie, erklärt: «Das kann ganz verschiedene Ursachen haben. Mal sind die Heizkurven zu hoch, mal sind die Thermostatventile fehlerhaft oder die Warmwasser-Einstellungen passen nicht mehr zum tatsächlichen Bedarf.»
Abhilfe kann eine energetische Betriebsoptimierung schaffen. Dabei prüft zunächst eine Fachperson vor Ort, wie die Gebäudetechnik tatsächlich arbeitet, also zum Beispiel Heizung, Warmwasserbereitung, Regelung, Pumpen und, je nach Gebäude, auch Lüftung oder Kühlung. Im Mittelpunkt steht nicht eine umfassende Sanierung, sondern eine einfache, aber wichtige Frage: Arbeitet das bestehende System so effizient, wie es könnte?

Energieberater Daniel Arm: "Auch Lebensgewohnheiten spielen eine Rolle"
Mit wenig Aufwand viel erreichen
«Es geht nicht darum, sofort Anlagen zu ersetzen oder baulich einzugreifen», sagt Daniel Arm. «Oft reicht es schon, Einstellungen zu überprüfen, Betriebszeiten anzupassen oder Regelungen sauber auf den tatsächlichen Bedarf abzustimmen.» Genau darin liegt der Vorteil der Betriebsoptimierung: Sie ist vergleichsweise schnell umsetzbar, braucht keine aufwendige Planung und kann den Energieverbrauch senken, ohne dass die Bewohnerinnen und Bewohner auf Komfort verzichten müssen.
Typische Ansatzpunkte sind Heizkurve, Betriebszeiten, Pumpensteuerung und Warmwasser-Einstellungen. Eine zu hoch eingestellte Heizkurve führt dazu, dass mehr Wärme produziert wird als nötig. Zu lange Laufzeiten erhöhen den Verbrauch ebenfalls. Auch beim Warmwasser besteht oft Optimierungspotenzial, etwa wenn Temperaturen, Zirkulationszeiten oder Nutzungsprofile nicht mehr zum Alltag im Gebäude passen.
Je nach Ausgangslage lassen sich durch solche Massnahmen typischerweise rund 5 bis 15 Prozent Energie einsparen, und das ohne bauliche Eingriffe. In vielen Fällen machen sich die Kosten einer Betriebsoptimierung über die eingesparte Energie nach relativ kurzer Zeit bezahlt. Im Kanton Basel-Landschaft wird eine solche Optimierung zusätzlich über das Baselbieter Energiepaket unterstützt. Das macht sie für Eigentümerinnen und Eigentümer besonders interessant, weil die Massnahmen an der bestehenden Technik ansetzen und je nach Gebäude finanziell gefördert werden.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung: Für Wohngebäude ist die Betriebsoptimierung im Kanton Basel-Landschaft freiwillig und wird über das Baselbieter Energiepaket gefördert. Gesetzlich verpflichtend ist sie hingegen für bestimmte Nichtwohnbauten mit hohem Stromverbrauch, etwa grössere Büro-, Gewerbe- oder Schulgebäude.
«Ein wichtiger Aspekt sind die Lebensgewohnheiten der Bewohnerinnen und Bewohner. »
«Besonders gross ist das Potenzial bei bestehenden Mehrfamilienhäusern, deren Gebäudetechnik über längere Zeit nicht mehr vertieft überprüft wurde», so Daniel Arm. «Ein wichtiger Aspekt sind dabei auch die Lebensgewohnheiten der Bewohnerinnen und Bewohner. Gerade in Mehrfamilienhäusern verändern sich Nutzung, Belegung und Bedürfnisse mit der Zeit.»
Für die Bewohnerinnen und Bewohner bringt die Optimierung klare Vorteile: Die Wärmeverteilung wird gleichmässiger, Temperaturschwankungen nehmen ab und die Gebäudetechnik reagiert besser auf den tatsächlichen Bedarf. Hinzu kommen tiefere Energiekosten und weniger CO₂-Emissionen.
Energetische Betriebsoptimierung ist damit ein wirkungsvoller erster Schritt zu mehr Energieeffizienz. Sie holt aus der bestehenden Technik mehr heraus, bevor grössere Investitionen nötig werden. Gerade im Hinblick auf die Energiezukunft gilt: Jede Kilowattstunde, die nicht verbraucht wird, muss weder produziert noch bezahlt werden.

Sie möchten wissen, ob sich eine Betriebsoptimierung auch für Ihr Gebäude lohnt? Unsere Energieberatung unterstützt Sie dabei, Einsparpotenziale zu erkennen und die nächsten Schritte zu klären.
