Solarstrom ist längst Alltag in der Schweiz. Und doch halten sich erstaunlich viele Annahmen, die so nicht ganz stimmen. Ein Blick auf die verbreitetsten Mythen zeigt, worauf es wirklich ankommt und warum das Zusammenspiel von Produktion und Verbrauch immer wichtiger wird. Wir ordnen ein.

Mythos 1. Solarstrom lohnt sich in der Schweiz nicht

Die Schweiz ist kein Wüstenland mit maximaler Supersonne, das stimmt. Aber wirtschaftlich kann sich eine Solaranlage trotzdem sehr gut rechnen. Denn: Entscheidend ist nicht nur die Sonneneinstrahlung, sondern in erster Linie der Eigenverbrauch, die Strompreise, die Investitionskosten und die Förderbeiträge.  Wer einen Teil des produzierten Stroms direkt im eigenen Haushalt nutzt, spart Stromkosten, die deutlich über den Einspeisevergütungen liegen. Genau dort entsteht der wirtschaftliche Hebel.

Was also tatsächlich stimmt: Solar lohnt sich in der Schweiz oft dann, wenn ein möglichst grosser Teil des Stroms selbst genutzt wird.

Mythos 2. Im Winter bringt Solarstrom nichts

Es stimmt, dass die Produktion im Winter deutlich niedriger ist als im Sommer. Trotzdem ist die Aussage zu pauschal. Solaranlagen liefern auch im Winter Strom. Und genau dann ist dieser besonders wertvoll, weil Strom in der Schweiz in dieser Zeit knapper ist. Je nach Anlage kann rund ein Viertel bis ein Drittel der Jahresproduktion in den kälteren Monaten anfallen. Faktoren wie Ausrichtung, Neigung und Schneereflektion spielen dabei eine wichtige Rolle. 

Was also tatsächlich stimmt: Solar produziert weniger im Winter, aber nicht nichts. Jede Kilowattstunde zählt, besonders in der kalten Jahreszeit. Übrigens können Balkonsolaranlagen gerade im Winter eine wichtige Rolle spielen, da sie senkrecht angebracht sind.

Solarstrom selbst verbrauchen: Meistens eine lohnende Lösung

Mythos 3. Möglichst viel Eigenverbrauch ist immer das Ziel

Eigenverbrauch ist ein zentraler Hebel, aber «je mehr, desto besser» ist nicht in jedem Fall richtig. Für private Haushalte lohnt es sich in der Regel, möglichst viel des eigenen Solarstroms direkt zu nutzen, etwa für Wärmepumpen, Elektroautos oder Haushaltsgeräte. Gleichzeitig gibt es klare Grenzen. Der eigene Stromverbrauch fällt nicht beliebig an, sondern folgt dem Alltag im Haushalt. Solarstrom hingegen entsteht vor allem um die Mittagszeit. Diese beiden Profile lassen sich nur bis zu einem gewissen Grad aufeinander abstimmen. Wer den Eigenverbrauch weiter steigern will, braucht zusätzliche Lösungen wie Batteriespeicher oder intelligente Steuerungen. Diese verursachen Kosten und sind nicht in jedem Fall wirtschaftlich sinnvoll. Auch deshalb bleibt das Stromnetz ein zentraler Bestandteil des Systems. Es übernimmt die Rolle des Ausgleichs, indem überschüssiger Strom eingespeist werden kann, wenn mehr produziert als verbraucht wird, und es liefert Energie, wenn die eigene Produktion nicht ausreicht. Ohne dieses Zusammenspiel wäre ein effizienter Betrieb von Solaranlagen im Alltag kaum möglich.

Was also tatsächlich stimmt: Ein hoher Eigenverbrauch ist sinnvoll und wird künftig noch wichtiger. Er hat aber natürliche und wirtschaftliche Grenzen. Entscheidend ist, Produktion und Verbrauch so gut wie möglich aufeinander abzustimmen, ohne unverhältnismässigen Aufwand zu betreiben.

Mythos 4. Mit Solarstrom wird man unabhängig vom Stromnetz

Die Idee klingt attraktiv. In der Realität bleibt das Stromnetz zentral. Solaranlagen produzieren vor allem dann viel Strom, wenn die Sonne scheint. Der Verbrauch im Haushalt passt aber nicht immer dazu. Ohne Netz würde ein grosser Teil der Energie entweder fehlen oder nicht genutzt werden können. Gerade an sonnigen Tagen speisen viele Anlagen gleichzeitig Strom ein. Das stellt das Netz vor Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, einen Teil des Stroms direkt vor Ort zu nutzen.

Was also tatsächlich stimmt: Solar macht unabhängiger, aber nicht komplett unabhängig. Ein bewusster Umgang mit dem eigenen Stromverbrauch hilft aber, das Netz zu stabilisieren.

Solarstrom lässt sich über Energiegemeinschaften mit der Nachbarschaft nutzen.

Mythos 5. Solarstrom geht direkt zum Nachbarn

Oft wird angenommen, dass der selbst produzierte Strom automatisch im Quartier bleibt. So einfach ist es physikalisch und organisatorisch nicht. Strom fliesst immer den Weg des geringsten Widerstands. Damit Solarstrom gezielt lokal genutzt werden kann, braucht es entsprechende Modelle wie Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (ZEV) oder lokale Energiegemeinschaften. Gleichzeitig zeigt sich: Wenn viele Anlagen zur gleichen Zeit einspeisen, kann das Netz lokal stark belastet werden. Deshalb gewinnt die direkte Nutzung vor Ort zunehmend an Bedeutung.

Was also tatsächlich stimmt: Solarstrom kann lokal genutzt werden, aber nur mit den richtigen Rahmenbedingungen. Eigenverbrauch hilft, Produktion und Verbrauch besser in Einklang zu bringen.

Unterm Strich

Solarstrom ist ein zentraler Baustein der Energietransformation in der Schweiz. Damit er sein Potenzial entfalten kann, kommt es immer stärker auf das Zusammenspiel an: Wann wird Strom produziert und wann wird er verbraucht? Für Haushalte bedeutet das: Wer seinen eigenen Solarstrom gezielt nutzt, profitiert nicht nur selbst, sondern trägt auch dazu bei, das Energiesystem insgesamt stabiler zu machen. Genau hier liegt einer der wichtigsten Hebel der kommenden Jahre.