Die Schweiz baut den Solarstrom zügig aus. Damit wächst die Frage, wie Erzeugung und Verbrauch besser in Einklang gebracht werden können. Batteriespeicher können kurzfristige Schwankungen ausgleichen – aber nur unter bestimmten Bedingungen. Eine aktuelle Studie zeigt, wo ihr Beitrag liegt und wo die Grenzen dieser Technologie sind.
Text: Viktor Sammain
Immer mehr Strom wird erzeugt, wenn Sonne, Wind oder Wasser zur Verfügung stehen. Der Verbrauch folgt dagegen dem Tagesrhythmus von Haushalten, Betrieben, Wärmepumpen, Ladestationen und Industrieprozessen. Beides deckt sich nicht immer. Am Mittag kann reichlich Solarstrom vorhanden sein; am Abend steigt die Last erneut an. Genau hier kommen Batteriespeicher ins Spiel.
Der Energiespeicherplan Schweiz von aeesuisse und dem Forum Energiespeicher Schweiz macht deutlich: Ein Stromsystem mit hohem Anteil erneuerbarer Energien benötigt ein breites Spektrum an Speichertechnologien. Denn nicht jeder Speicher adressiert dieselbe Herausforderung. Speicherwasserkraft und Pumpspeicher bleiben für die Schweiz zentral. Wärmespeicher können den Strombedarf im Winter senken. Batterien wiederum spielen ihre Stärken bei kurzen Zeiträumen aus: Minuten, Stunden, ein Tag.

System muss im Gleichgewicht bleiben
Ein Batteriespeicher nimmt überschüssigen Strom auf und gibt ihn bei Bedarf wieder ab. Das klingt simpel, ist für das Stromsystem aber von erheblicher Bedeutung. Das Netz muss zu jedem Zeitpunkt im Gleichgewicht sein: Einspeisung und Last müssen übereinstimmen. Gelingt das nicht, drohen Netzstörungen. Batteriespeicher reagieren innerhalb von Millisekunden und können deshalb Schwankungen ausgleichen, Lastspitzen dämpfen und Regelenergie bereitstellen.
Die Studie geht davon aus, dass stationäre und mobile Batterien bis 2050 einen relevanten Beitrag zur kurzfristigen Flexibilität leisten werden. Entscheidend ist dabei nicht allein die installierte Kapazität, sondern auch die Zahl der Lade- und Entladezyklen. Batterien können viele hundert Zyklen pro Jahr absolvieren. Ihr tatsächlicher Beitrag zum System ist damit deutlich grösser, als die reine Kapazitätszahl vermuten lässt.

Batteriespeicher in Kappel als Beispiel
Ein Beispiel steht in Kappel im Kanton Solothurn. Dort hat Primeo Energie einen Grossbatteriespeicher mit einer Leistung von 30 Megawatt und einer Kapazität von 80 Megawattstunden in Betrieb genommen. Die Anlage ist darauf ausgelegt, kurzfristige Ungleichgewichte zwischen Einspeisung und Last auszugleichen – nicht als saisonaler Speicher, sondern als schneller Flexibilitätsanbieter im Netz.
Solche Anlagen ersetzen weder den Netzausbau noch die Wasserkraft. Sie ergänzen das bestehende System. Ihr Vorteil liegt in der kurzen Reaktionszeit, der modularen Bauweise und der vergleichsweise flexiblen Standortwahl. Damit Grossspeicher ihren Nutzen voll entfalten können, muss ihre Einbindung ins Netz stimmen: Netzanschluss, Betrieb und Markteinsatz müssen so gestaltet sein, dass die Anlage das Gesamtsystem entlastet – und nicht neue Engpässe schafft.
Für die Bevölkerung bedeutet das: Batteriespeicher sind keine Notstromreserve für einzelne Haushalte, sondern ein Element eines zunehmend flexiblen Stromsystems. Sie helfen dabei, erneuerbare Energie besser zu integrieren, Schwankungen aufzufangen und das Netz stabil zu halten. Je stärker die Erzeugung von Wettereinflüssen abhängt, desto wichtiger wird diese kurzfristige Flexibilität.

