Der Batteriemonitor Schweiz 2026 zeigt: Batteriespeicher sind längst mehr als ein Zusatz zur Solaranlage auf dem Dach. Sie helfen, Solarstrom besser zu nutzen, Leistungsspitzen zu glätten und das Stromnetz flexibler zu machen. Hier sind 5 Lehren aus dem Bericht von Swissolar.
1. Solarstrom braucht Flexibilität
Erneuerbare Energien und speziell die Photovoltaik verändert die Logik des Stromsystems. Denn Wind und Sonne stehen nicht immer dann zur Verfügung, wenn sie gebraucht werden. So produzieren Solaranlagen bekanntlich an sonnigen Mittagen im Sommer am meisten, während die Produktion abends einschläft – und das genau dann, wenn der Bedarf steigt. Es entsteht eine Lücke zwischen Produktion und Verbrauch. Und diese Lücke kann von Batteriespeichern geschlossen werden. Sie nehmen Strom dann auf, wenn viel produziert wird, und geben ihn später wieder ab. Wichtig zu beachten ist dabei, dass Batterien Solarstrom zwar nicht rund um die Uhr verfügbar machen. Sie lösen auch nicht die Frage, wie Sommerstrom in grossem Umfang bis in den Winter gebracht werden kann. Dafür braucht es weiterhin Wasserkraft, Netze, Effizienz, flexible Verbraucher und weitere Speichertechnologien. Aber sie machen aus einer Mittagsspitze Strom für den Abend. Dadurch werden sie zu einem zentralen Baustein des modernen Energiesystems.
2. Der Speicherboom ist real, aber kein Selbstzweck
Der Batteriemonitor 2026 von Swissolar zeigt deutlich: Der Speichermarkt wächst. 2025 waren in der Schweiz bereits rund 1’500 MWh an Haushaltsspeichern installiert. Zusätzlich sind mindestens 135 MWh sogenannte Front-of-the-meter-Speicher in Betrieb, also Speicher, die wie der Batteriespeicher von Primeo Energie in Kappel (SO) direkt im Netz eingesetzt werden. Bis 2030 sind rund 4’200 MWh Netzspeicherkapazität geplant.
Auch bei den neuen Behind-the-meter-Speichern zeigt die Kurve nach oben. Gemeint sind Speicher, die sozusagen «hinter» dem Zähler stehen, also bei Haushalten, Mehrfamilienhäusern, Gewerbebetrieben oder Landwirtschaftsbetrieben. 2025 gab es laut dem Bericht ein Wachstum von 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr, für 2026 mit weiteren 82 Prozent.
Das ist einerseits eine Erfolgsgeschichte. Andererseits bedeuten mehr Speicher nicht automatisch ein besseres Stromsystem. Entscheidend ist, wie sie eingesetzt werden. Ein Speicher, der schlecht dimensioniert ist oder ungünstig gesteuert wird, bringt wenig. Ein Speicher, der Stromflüsse sinnvoll verschiebt, Lastspitzen reduziert und mit dem Netz zusammenspielt, kann dagegen grossen Nutzen stiften. Die Lehre lautet deshalb: Es geht nicht nur um Kapazität. Es geht um Wirkung.

3. Speicher wandern vom Einfamilienhaus ins Gewerbe und ins Netz
Der Batteriemonitor zeigt, dass neben kleineren Heimspeichern auch Batterien in Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft immer wichtiger werden. 2023 wurden noch fast 90 Prozent der neu installierten Behind-the-meter-Speicher in Einfamilienhäusern realisiert. 2024 sank dieser Anteil auf 78,3 Prozent. Gleichzeitig werden die Speicher in anderen Segmenten grösser. Besonders deutlich ist das bei Industrie und Gewerbe: Dort stieg die durchschnittliche Speichergrösse von 37,5 kWh im Jahr 2023 auf 96,5 kWh im Jahr 2024.
Zugleich rücken grössere Speicher direkt im Netz stärker in den Fokus. Sie können dort eingesetzt werden, wo Flexibilität besonders wertvoll ist: an Netzanschlüssen, bei lokalen Engpässen oder in Gebieten mit hoher Einspeisung aus Photovoltaik. Auch Primeo Energie beschäftigt sich mit solchen Lösungen, etwa mit dem Grossbatteriespeicher in Kappel. Dies hilft, das volatile Energiesystem im Gleichgewicht zu halten und das Netz zu stabilisieren.
4. Wirtschaftlichkeit entsteht durch Steuerung, Tarife und Eigenverbrauch
Der wichtigste Grund für einen Batteriespeicher ist laut Monitor weiterhin die Erhöhung des Eigenverbrauchs. Wer Solarstrom auf dem eigenen Dach produziert, möchte möglichst viel davon selbst nutzen. Das ist nachvollziehbar. Jede Kilowattstunde, die direkt vor Ort verbraucht wird, muss nicht aus dem Netz bezogen werden.
Gleichzeitig verändert sich die wirtschaftliche Rechnung. Speicher werden günstiger. Der Batteriemonitor nennt für 2025 einen durchschnittlichen Installationspreis von rund 8’800 bis 8’850 Franken für einen typischen 15-kWh-Heimspeicher. Dazu kommen neue Rahmenbedingungen: Einspeisevergütungen werden stärker marktorientiert, dynamische Tarife gewinnen an Bedeutung, und Flexibilität erhält einen höheren Wert. Trotzdem gilt: Ein Speicher lohnt sich nicht automatisch. Entscheidend sind die Grösse der PV-Anlage, der Stromverbrauch, das Tagesprofil, die Einspeisevergütung, mögliche Leistungspreise und die Steuerung. Ein Haushalt mit hohem Abendverbrauch hat andere Voraussetzungen als ein Gewerbebetrieb mit Lastspitzen am Tag.
Darum ist ein Batteriespeicher weniger ein einzelnes Gerät als Teil eines Systems. Er entfaltet seinen Nutzen vor allem dann, wenn PV-Anlage, Wärmepumpe, Elektroauto, Ladeinfrastruktur, Energiemanagement und Tarife zusammenspielen. Genau hier setzen dynamische Modelle an. Bei Primeo Energie zeigt etwa der Wahltarif Primeo Netzdynamisch, wie sich der Strombezug stärker an der tatsächlichen Netzsituation orientieren lässt - mit finanziellen Anreizen für die Kunden. Für Speicher ist das besonders interessant, weil sie dann nicht einfach irgendwann laden, sondern dann, wenn es sowohl für Kundinnen und Kunden als auch für das Netz sinnvoll ist.
5. Aus einzelnen Batterien wird Flexibilität fürs Stromsystem
Die vielleicht wichtigste Lehre aus dem Batteriemonitor lautet: Batteriespeicher werden dann besonders wertvoll, wenn sie nicht nur einzeln gedacht werden. Ein einzelner Speicher kann den Eigenverbrauch erhöhen. Viele Speicher zusammen können mehr. Durch sogenanntes Pooling lassen sich kleinere Anlagen digital bündeln. Gemeinsam können sie wie ein virtuelles Kraftwerk wirken und Systemdienstleistungen bereitstellen. Das ist wichtig, weil im Stromnetz Produktion und Verbrauch jederzeit im Gleichgewicht sein müssen. Die Netzfrequenz muss stabil bei 50 Hertz bleiben. Batterien können sehr schnell reagieren und sind deshalb technisch gut geeignet, kurzfristige Schwankungen auszugleichen.
Solche Ansätze sind nicht mehr nur Theorie. Mit equalio bündelt Primeo Energie dezentrale Flexibilität zu einem virtuellen Pool. Dahinter steht eine einfache Idee: Viele einzelne Anlagen, die für sich genommen klein wirken, können gemeinsam einen relevanten Beitrag leisten. Für das Stromsystem zählt am Ende nicht, ob Flexibilität aus einem grossen Speicher, vielen kleineren Speichern oder steuerbaren Verbrauchern kommt. Entscheidend ist, dass sie zur richtigen Zeit verfügbar ist.
Auch Elektroautos gehören zu dieser Entwicklung. Sie stehen die meiste Zeit still und besitzen grosse Batterien. Mit bidirektionalem Laden könnten sie künftig nicht nur Strom aufnehmen, sondern auch wieder abgeben. So wird das Auto zeitweise zur Speicherressource für Haus, Gebäude oder Netz. Noch ist das nicht Alltag. Dafür braucht es einheitliche Standards, kompatible Fahrzeuge, passende Ladeinfrastruktur und verständliche Marktmodelle.
Dynamische Tarife, Flexibilitätsverträge, bidirektionales Laden, Grossbatterien und virtuelle Pools zeigen in dieselbe Richtung: Speicher werden Teil eines intelligenten Stromsystems. Sie sollen nicht einfach laden und entladen, sondern zur richtigen Zeit das Richtige tun.
