Auf seinem Hof in Hauenstein Solothurn züchtet Landwirt Reto Nussbaumer die Zukunft an: mit Hochstamm-Apfelbäumen, Black-Angus-Mutterkühen und Solaranlagen mit Batterie, die helfen, gemeinsam mit Primeo Energie das Stromnetz zu entlasten.

Text: Andreas Schwander | Bilder: Timo Orubolo

Alles lebt bei Reto Nussbaumer. Durch den Heustall fliegen die Schwalben, seine neu gepflanzten, rund 200 Hochstamm-Apfelbäume beherbergen Rotschwänze und Spechte, darunter liegt seine Black-Angus-Herde wiederkäuend im Schatten. Neu aufgeschüttete Steinhaufen bieten Hermelin und Eidechsen Deckung. Der Muni hat seinen eigenen Baum und die Legehühner rennen geschäftig um ihren Stall. Vieles auf Nussbaumers Hof greift ineinander – seit einigen Jahren gehört auch Strom dazu.

Eier, Fleisch, Süssmost und Strom

Vielfalt ist Reto Nussbaumer wichtig, ökologische wie auch ökonomische. In seinem Hofladen verkauft er Süssmost, Eier und Fleisch. Gleichzeitig vermarktet er auch Strom und Stromprodukte zusammen mit Primeo Energie als seinem wichtigsten Partner. «Als Bauer braucht man mehrere wirtschaftliche Standbeine, egal ob unterschiedliche Tiere oder Kulturpflanzen. Nun sind Strom und Energiedienstleistungen als weiteres Produkt dazugekommen. Und natürlich hat man auch eine Verantwortung gegenüber der Landschaft und der Welt, von der und in der man lebt», erzählt er.

Beim Thema Strom weiss Nussbaumer, wovon er spricht. Er ist gelernter Elektromonteur und arbeitet neben dem Bauernbetrieb noch immer in einem 20-Prozent-Pensum bei einer Elektroinstallationsfirma. Entsprechend konnte er viele Installationen selbst ausführen, was für ihn die Anlage deutlich günstiger machte. Denn bei Solaranlagen entfallen heute nur noch rund 20 bis 30 Prozent der Kosten auf die Geräte. Der weitaus grösste Teil sind die Lohnkosten für die Montage. Solaranlagen haben deshalb eine sehr hohe lokale Wertschöpfung, egal in welchem Winkel der Welt die Panels hergestellt wurden.

Reto Nussbaumer

Reto Nussbaumer setzt auf mehrere wirtschaftliche Standbeine: Tiere, Hofprodukte und Solarstrom.
 

Der Hof hilft dem Netz

Reto Nussbamers Photovoltaikanlage ist eindrücklich – und erfüllt, wie vieles auf einem Bauernhof, mehrere Aufgaben. Die ganze Südseite des Freilaufstalls mit grossem Heuschober für die 30 Mutterkühe und ihre Kälber ist mit Solarpanels bedeckt. Auf der Maschinenremise gibt es auch auf der Nordseite Panels, die immerhin 60 Prozent des Ertrags von jener auf der Südseite bringen. «Geng sövu», würde man in Bern sagen.

Die Anlage zeigt sich nicht nur auf den Dächern. In der Garage bei den Schaltschränken und den Wallboxen für die beiden Elektroautos herrscht das grosse Summen der Wechselrichter. Das sind jene Geräte, die den Gleichstrom der PV-Anlagen in netztauglichen Wechselstrom umwandeln und ihn damit ins Stromnetz einspeisen.

Doch gerade weil der Strom ins Netz eingespeist wird, entstehen neue Herausforderungen. Grosse PV-Anlagen gelten bisweilen als Problem für das Netz, weil sie vor allem dann viel Strom produzieren, wenn die Sonne stark scheint und damit oft dann, wenn der Verbrauch tief ist. Nussbaumer zeigt, wie sich dieses Ungleichgewicht ausgleichen lässt. Mit den neuen Vorgaben darf Primeo Energie seine Anlage bei 70 Prozent der Leistung abregeln – dann muss er den produzierten Strom selbst nutzen. Oder er speichert ihn in die Batterie und verbraucht ihn später. Allerdings wird die Batterie nicht primär von seiner Anlage aus, sondern von Primeo Energie über das System Equalio gesteuert. Dieses gleicht innerhalb von Primeo Energie und vor allem über die Regelenergie-Auktionen von Swissgrid das Stromnetz aus.

Reto Nussbaumer bei den Wechselrichtern und Wallboxen in der Garage: Hier wird Solarstrom aufbereitet und für die Elektroautos nutzbar gemacht.

Bei Sonne ist die Batterie möglichst leer

In einem Raum mit Kühlschränken und Eierkartons stehen auch die beiden grossen Schränke der Batterie und der Steuerung. Hier erklärt Reto Nussbaumer, wie das System funktioniert: «An diesem wolkenlosen Tag mit wenig Stromverbrauch müsste die Batterie eigentlich längst voll sein», sagt er und zeigt auf die Ladestandsanzeige. «Sie ist aber nur zu etwa 30 Prozent geladen.» Das heisst, dass Primeo Energie die Batterie für sogenannte negative Regelenergie bereithält – auf Kommando von Swissgrid würde sie geladen, wenn zu viel Strom im Netz ist. Sowohl für das Bereithalten wie auch fürs effektive Stromeinlagern zahlt Swissgrid Geld. Die Erträge gehen zu 25 Prozent an Primeo Energie und zu 75 Prozent an den Eigentümer der Infrastruktur, in diesem Fall Reto Nussbaumer. «Mit dieser Lösung ist eine Batterie in vier bis fünf Jahren amortisiert», erzählt er.

Die Kombination PV-Anlage und Batterie wird für ihn deshalb noch attraktiver. Den Strom, den Primeo Energie nicht abnehmen kann, nutzt er selbst. Der grösste Verbraucher ist die Heubelüftung: Sie benötigt rund 12 Kilowatt Leistung, läuft fast rund um die Uhr und trocknet das Heu im Schober nach. Zusammen mit den Kühlschränken fürs Fleisch sorgt sie dafür, dass weniger Strom ins Netz eingespeist wird und die Einspeisung unter die Schwelle von 70 Prozent sinkt. Dazu kommt der Futterhäcksler als kräftiger Verbraucher, der jeweils über Mittag läuft. All diese Maschinen gibt es schon seit vielen Jahren auf dem Hof. Doch früher hat Reto Nussbaumer für den Strom bezahlt, den er zu dieser Tageszeit bezogen hat.

Die Stalldächer des Hofs sind grossflächig mit PV-Modulen belegt und produzieren Solarstrom direkt vor Ort.
 

Die Mischung machts – und der Luftzug

Mit seinen Stromprodukten hat sich Reto Nussbaumer ein zusätzliches Standbein aufgebaut, das für ihn ähnlich wichtig ist wie die Hühner oder die Hochstammbäume. Zusätzlich zu den Finanzerträgen von PV-Anlagen und Batterie hat er selbst günstigeren Strom. Als Bauer isst er schliesslich auch die Eier und das Fleisch, das er selbst produziert. Und dann gibt es noch einen weiteren Vorteil der grossen PV-Anlagen: Reto Nussbaumer hat sie so auf seinen Stalldächer montiert, dass dank dem sogenannten Kamineffekt immer ein Luftzug zwischen den Panels und dem bestehenden Blechdach weht. Dadurch werden die Panels gekühlt und vor allem ist es im Stall an solchen heissen Frühsommertagen deutlich kühler als unter einem normalen Dach. «Mit dieser Montageart ist es nun an Tagen, wenn die Sonne direkt aufs Dach scheint, mehrere Grad kühler im Stall», erzählt er. Damit fühlt sich das Vieh wohler, ganz ohne Energieeinsatz. Denn alles, was bei Reto Nussbaumer lebt, soll sich wohlfühlen. Und es ist die richtige Mischung, die einen guten Land- und Energiewirt ausmachen. Reto Nussbaumer zeigt, wie das heute funktionieren kann.

Reto Nussbaumer bewirtschaftet nebst dem Hof auch seinen Strom: PV-Anlagen, Batterie und Verbrauch sind aufeinander abgestimmt. Über Equalio setzt Primeo Energie seine Batterie gezielt ein. So wird der Solarstrom besser genutzt – auf dem Hof und im Netz – und trägt zur Stabilität des Stromnetzes bei.
 
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