Manchmal braucht selbst frische Luft einen englischen Namen. «House Burping» heisst ein neuer Trend. Gemeint ist allerdings etwas erstaunlich Banales.
Sie kommen nach Hause, atmen tief ein und merken: Es riecht ein bisschen nach alten Socken und dem Gemüsecurry von vorvorgestern. Die naheliegende Lösung wäre eigentlich simpel: Fenster auf, frische Luft rein. Fertig. Oder?
Ganz so einfach scheint es heute nicht mehr zu sein. Denn im 21. Jahrhundert bekommen selbst alltägliche Handgriffe gern einen englischen Namen. Willkommen beim «House Burping». Oder, frei übersetzt: Haus-Rülpsen.
Der Trend kommt, of course, aus den USA und meint im Kern nichts anderes als das gute alte Lüften. Der Unterschied: Im Smartphonozän filmen sich die Menschen dabei, wie sie das Fenster öffnen und der Wohnung eine Lufterfrischung ermöglichen.
Wie gesagt: neu ist das nicht. In der Schweiz wird seit jeher gelüftet, besonders im Winter bewusst und kurz. Fachlich korrekt spricht man von Stoss- oder Querlüften: Fenster für fünf bis fünfzehn Minuten ganz öffnen, idealerweise gegenüberliegend. So wird die Raumluft schnell ausgetauscht, ohne dass Wände und Möbel auskühlen. Dauerhaft gekippte Fenster dagegen verschwenden Energie und bringen wenig.
Warum das sinnvoll ist? In Innenräumen sammelt sich einiges an: CO₂ aus der Atemluft, Feuchtigkeit vom Kochen und Duschen, Gerüche und flüchtige Stoffe aus Möbeln oder Reinigungsmitteln. Kurzes, kräftiges Lüften senkt diese Belastungen deutlich, verbessert die Luftqualität und beugt Schimmel vor.
«House Burping» ist also kein neuer Zaubertrick, sondern hergebrachter Alltag in neuem Gewand. Der Trend hat trotzdem einen Wert: Er erinnert daran, dass gute Raumluft kein Luxus ist. Und wenn ein etwas schräger Begriff dazu führt, dass wieder öfter die Fenster aufgehen, darf man ruhig schmunzeln und tief durchatmen.

