Photovoltaik auf dem Dach ist längst etabliert. Doch eine weitere Solarlösung rückt immer stärker in den Fokus: Plug & Play-Anlagen für Balkon, Fassade oder kleine Dächer. Sie sind einfach, zugänglich und könnten für die Energiezukunft der Schweiz eine grössere Rolle spielen, als viele denken. Ein neuer Bericht  im Auftrag des Bundes zeigt, welches Potenzial in diesen kleinen Anlagen steckt und was sich regulatorisch verändern könnte.

Strom vom Balkon wird zum ernstzunehmenden Faktor

Was früher als Nischenlösung galt, gewinnt immer mehr Anhänger: Balkonsolaranlagen ermöglichen es, auch ohne eigenes Dach selbst Strom zu produzieren, zum Beispiel als Mieterin oder Mieter. Und das ohne grosse Investitionen oder aufwendige Installationen.

Eine neue Studie, die unter anderem von der BFH im Auftrag des Bundes erstellt wurde, untermauert die Entwicklung jetzt mit anschaulichen Zahlen. So könnte laut dem Bericht in der Schweiz 1 Terawattstunde Strom pro Jahr allein mit Balkonsolaranlagen erzeugt werden. Sollten künftig auch grössere Steckeranlagen zugelassen werden, steigt das Potenzial gemäss Studie sogar auf rund 3 Terawattstunden jährlich. Zum Vergleich: Der heutige Stromverbrauch der Schweiz liegt bei rund 55 bis 60 Terawattstunden pro Jahr. Damit entspräche das Potenzial von Plug & Play-Anlagen bis zu rund 5 Prozent des heutigen Verbrauchs. Gleichzeitig könnten sie dazu beitragen, Stromimporte spürbar zu reduzieren.

Besonders wertvoll: Strom im Winter

Ein oft unterschätzter Vorteil: Steckersolaranlagen liefern wegen der steilen Montageweise am Balkon vergleichsweise viel Strom im Winter. Laut Studie fallen rund ein Drittel der Produktion in die kalte Jahreszeit. Also genau dann, wenn die Schweiz besonders auf zusätzliche Energie angewiesen ist. Für die Energietransformation ist das durchaus wichtig. Denn es geht nicht nur darum, mehr Strom zu produzieren, sondern ihn dann zu erzeugen, wenn er gebraucht wird. 

600 Watt pro Anlage
Plug & Play-Anlagen wirken simpel. Einstecken und loslegen. Gleichzeitig zeigt sich gerade in dieser Einfachheit ein grosser Vorteil: Der produzierte Strom wird direkt im Haushalt genutzt, etwa für Kühlschrank oder Router. Das erhöht den Eigenverbrauch und senkt die Stromkosten.

Heute gilt in der Schweiz eine Grenze von 600 Watt pro Anlage. Die Studie zeigt: Eine Erhöhung wäre technisch möglich und sicher, sofern bestimmte Anforderungen eingehalten werden. Diskutiert werden künftig deutlich leistungsstärkere Systeme, teilweise sogar dreiphasig. Das würde die Rolle dieser Anlagen grundlegend verändern. Vom Zusatzgerät hin zu einem echten Baustein im Energiesystem.

Sicherheit ist kein Hindernis
Ein zentrales Ergebnis der Studie: Bei korrekter Auslegung sind Plug & Play-Anlagen sehr sicher. Die untersuchten Systeme weisen laut Bericht kaum Risiken auf, wenn sie normgerecht betrieben werden. Themen wie Überlastung, Stromschlag oder Brandschutz lassen sich technisch zuverlässig beherrschen. Wichtig sind eine korrekte Montage und die Anmeldung beim Netzbetreiber, wie sie in der Schweiz vorgesehen ist.

Ein Baustein unter vielen
Die Ergebnisse zeigen, dass kleine dezentrale Anlagen einen messbaren Beitrag leisten können. Gleichzeitig ersetzen sie keine grossen Produktionsanlagen, sondern ergänzen das Energiesystem. Ihr Vorteil liegt vor allem in der breiten Verteilung und der niedrigen Einstiegshürde. Viele kleine Anlagen können in der Summe relevant werden, insbesondere wenn sie dort produzieren, wo der Strom direkt verbraucht wird.

Wie weiter?
Kurzfristig bleibt die regulatorische Situation unverändert. Die bestehenden Vorgaben gelten weiterhin. Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass Anpassungen geprüft werden, insbesondere bei Leistungsgrenzen und technischen Anforderungen.

Offen ist, wie schnell und in welchem Umfang solche Änderungen umgesetzt werden. Klar ist jedoch: Mit der zunehmenden Verbreitung dezentraler Technologien wird auch die Integration ins Gesamtsystem wichtiger. Dazu gehören Fragen der Netzstabilität, der Messung und der Vergütung.

Plug & Play-Anlagen sind damit weniger ein Einzelthema als Teil einer grösseren Entwicklung. Wie stark ihr Beitrag künftig ausfällt, hängt nicht nur von der Technik ab, sondern auch von den Rahmenbedingungen, die in den nächsten Jahren gesetzt werden.

Das gilt für Balkonsolaranlagen in der Schweiz

  • Leistungsgrenze: Plug & Play Anlagen sind aktuell auf maximal 600 Watt pro Zählerstromkreis begrenzt.
  • Meldepflicht: Die Anlage muss vor Inbetriebnahme beim lokalen Netzbetreiber gemeldet werden.
  • Anschluss: Der Betrieb erfolgt über eine normale Steckdose, vorausgesetzt die Anlage erfüllt die technischen Anforderungen (z. B. integrierter Schutzmechanismus im Wechselrichter).
  • Keine Bewilligung nötig: In der Regel ist keine Baubewilligung erforderlich, da es sich nicht um fest installierte Anlagen handelt.
  • Zustimmung bei Mietobjekten: In Mietwohnungen kann je nach Montageart die Zustimmung des Vermieters notwendig sein.
  • Eigenverbrauch im Vordergrund: Der erzeugte Strom wird primär im eigenen Haushalt genutzt, Überschüsse werden ins Netz eingespeist.
  • Sicherheit: Voraussetzung ist eine korrekte Installation und normgerechter Betrieb. Nur zugelassene Geräte dürfen verwendet werden.

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