Dickes Buch, viele Bilder: Lena Hällmayer bringt die Klimakrise in Illustrationen und kurzen Texten auf den Punkt. Es liest sich schnell, wirkt nach und fordert mit seinem engagierten Ton auch heraus. Wie bleibe ich handlungsfähig, wenn mich Nachrichten bedrücken? Und kann ich als Einzelperson überhaupt etwas bewirken?
Text und Fotos: Jeannine Hirt
Erneut darf ich für Primeo Energie ein Energiebuch rezensieren. Diesmal: «Klimaangst und Wandelmut» der Frankfurterin Lena Hällmayer. Überraschend aufklärend und ermutigend, auch wenn mir ihr Aktivismus stellenweise etwas zu weit geht.

«Wie viel Verantwortung liegt bei mir und wie viel bei grossen Konzernen?», fragt sich die Autorin und will trotz Krisengefühl selbst etwas bewirken.
Genügt Handeln im Kleinen?
Haben Sie sich auch schon gefragt, ob Sie persönlich genug gegen den Klimawandel tun? Ich kenne das: Eigentlich wüsste ich, was richtig wäre. Und dennoch lande ich im Alltag doch immer wieder auf der bequemeren Seite. Genau dort setzt das Buch an. Wir begleiten die Autorin über drei Jahre auf ihrem Weg zu klimafreundlicheren Gewohnheiten: Schritt für Schritt, ohne moralischen Zeigefinger. Gleichzeitig bleibt die nagende Frage, ob das reicht.

Hällmayer zeigt, wie die aktuellen Krisen zusammenhängen und warum Verstehen ein erster Hebel ist.
Klimaangst verstehen
Viele fühlen sich von Nachrichten über Extremwetter oder Energiekrisen überfordert. Oft bleibt ein mulmiges Gefühl im Bauch, eine Art Ohnmacht gegenüber den grossen Konzernen oder der Politik.
Hällmayer widerlegt Mythen wie «einzelne können eh nichts tun» und lädt ein, Gefühle zuzulassen, statt sie zu verdrängen. Das zeigt sich im Buch auch in ihrem Einsatz in kulturellen Bildungsprojekten mit Kindern: Dort übersetzt sie Klimasorge in Lernen, Fragenstellen und Handlungsspielräume. So entsteht Raum für klare Gedanken.

«Rote Fäden», an denen systemische Wirkung möglich ist: Bildung ist für Hällmayer im Kampf gegen die Klimakrise ein zentraler Ausgangspunkt.
Vom Gefühl zur Tat: Wandelmut
Aus Angst wird bei Hällmayer «Wandelmut»: nicht abwarten, sondern mitgestalten. Das beginnt mit einem Realitätscheck (den eigenen CO₂-Fussabdruck einordnen), geht über Routinen (Strom sparen, weniger Fleisch essen, Plastik reduzieren, Zug statt Flieger) bis hin zur Vernetzung (Kochen für mehrere Familien, um Strom zu sparen und der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken).
Relevanz für Sie
Auch in der Schweiz trifft das Buch den Zeitnerv. Wer sich mit E-Mobilität, Photovoltaik oder dynamischen Stromtarifen beschäftigt, findet hier emotionale Rückendeckung: weniger Perfektion, mehr machbare Schritte. Und es weitet den Blick über Technik hinaus mit dem Hinweis auf Suffizienz: Energie gar nicht erst zu verbrauchen, etwa durch weniger Konsum sowie mehr Teilen und Reparieren alter Geräte.

Viele Tipps sind im Alltag sofort umsetzbar: von weniger Konsum bis zu mehr Recycling.
Neuer Blick auf die Klimakrise
«Klimaangst und Wandelmut» von Lena Hällmayer hat mir durch die Perspektive der Autorin einen neuen Blick auf die Klimakrise eröffnet. Es liefert nicht nur Wissen, sondern konkrete Handlungsfelder: vom eigenen Alltag über Gespräche im Umfeld bis hin zu politischem Engagement. Gerade die Mischung aus Illustrationen und kurzen Texten macht das Buch leicht zugänglich und visuell ansprechend.
Doch nicht alle Positionen der Autorin überzeugen mich: Ihr aktivistischer Ton ist stellenweise sehr konsequent, an manchen Passagen fast etwas fordernd. Doch gerade das verleiht dem Buch auch Schärfe und erinnert daran, dass Wandel meist unbequem beginnt. Vielleicht ist das der Kern ihres «Wandelmuts»: nicht perfekt sein, sondern dranbleiben und andere mitziehen.
Empfehlen kann ich das Buch allen, die sich für die Klimafrage interessieren und kreative Zugänge mögen. Egal ob Eltern, junge Erwachsene oder Menschen, die sich gerne von Illustrationen inspirieren lassen. «Klimaangst und Wandelmut» ermutigt, kleine Schritte zu gehen und Verantwortung mit anderen zu teilen.
Primeo Energie Kosmos – dem Klimawandel auf der Spur
Im Primeo Energie-Kosmos in Münchenstein wird «Klima und Energie» erlebbar. Das Gebäude selbst wurde vollständig aus alten Materialien gebaut. Das Buch von Lena Hällmayer liegt gleich beim Eingang für Sie bereit.
