Die Tour de Suisse 2026 steht im Zeichen des Aufbruchs. Mit einem neuen Format, einem Start in Italien und einer stärkeren Fokussierung auf das Erlebnis vor Ort richtet sich das traditionsreiche Etappenrennen neu aus. Im Interview spricht Olivier Senn, Direktor der Tour de Suisse, über die Hintergründe dieser Transformation und darüber, welche Parallelen es zwischen Spitzensport, Führung und Energietransformation gibt.
Olivier Senn, die Tour de Suisse 2026 bringt einige Veränderungen mit sich. Was sind die wichtigsten Beweggründe für diese Neuausrichtung?
Olivier Senn: Die Anforderungen an Sportevents haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Zuschauerinnen und Zuschauer erwarten heute ein intensiveres Erlebnis. Konkret bedeutet das für die Tour de Suisse 2026 mehrere grundlegende Veränderungen: Wir reduzieren die Anzahl der Etappen bei den Männern von acht auf fünf und führen gleichzeitig Frauen- und Männerrennen am selben Tag und am selben Ort durch. Dadurch entstehen an fünf Standorten jeweils eigenständige Radsportfeste mit Start, Ziel und Rahmenprogramm. Also ein ganztägiges Erlebnis statt kurzer punktueller Durchfahrten.
Zudem setzen wir stärker auf klar definierte Etappenorte, teilweise auch in grösseren Städten. Wir schaffen dort jeweils ein zentrales Eventgelände, das den Sport mit Unterhaltung, Begegnung und Partneraktivitäten verbindet. Auch der internationale Charakter wird weiter gestärkt, zum Beispiel durch den Start in Italien.

Olivier Senn und Primeo Energie-CEO Cedric Christmann: Seit 2022 sind wir Hauptsponsorin der Schweizer Landesrundfahrt.
«Der Frauenradsport hat grosses Potenzial, erhält aber noch zu wenig Aufmerksamkeit.»
Du hast es bereits gesagt: Erstmals finden Frauen- und Männerrennen gleichzeitig statt. Welche Bedeutung hat dieser Entscheid für die Zukunft des Radsports?
Das ist ein sehr wichtiger Schritt. Der Frauenradsport hat grosses Potenzial, erhält aber noch zu wenig Aufmerksamkeit. Dadurch, dass die Frauen- und Männerrennen jeweils am selben Tag und am selben Ort auf einem Rundkurs stattfinden, schaffen wir mehr Sichtbarkeit und eine stärkere Plattform für beide. Das ist ein Novum. Es gibt auf internationaler Ebene nichts Vergleichbares.
Ein weiteres Thema, das euch wie auch Primeo Energie wichtig ist, ist das Thema Nachhaltigkeit. Wie setzt ihr das konkret um?
Nachhaltigkeit ist für uns zentral, auch weil wir in und mit der Natur arbeiten. Wir haben in den letzten Jahren bereits viele Massnahmen umgesetzt, etwa bei der Logistik oder der lokalen Beschaffung. Ein wichtiger Hebel für unsere Organisation ist zum Beispiel die Elektrifizierung unserer eigenen Fahrzeugflotte. Gleichzeitig gibt es hier noch Grenzen, etwa bei der Ladeinfrastruktur. Deshalb setzen wir aktuell auf einen pragmatischen Mix und entwickeln uns Schritt für Schritt weiter.
Eine weitere Massnahme besteht aus gezielten Anreizen für die Zuschauerinnen und Zuschauer, um die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr oder dem Velo attraktiver zu machen. Oder eben mit dem neu geschaffenen Fan-Bus ab verschiedenen Städten der Schweiz zu den Etappenorten. Oft sind es kleine Massnahmen, die hier Wirkung zeigen können. Entscheidend ist, das Verhalten langfristig zu verändern.
Welche Rolle spielt Primeo Energie als Partner bei dieser Transformation?
Primeo Energie ist für uns ein echter Partner, weit über das klassische Sponsoring hinaus. Der Austausch ist sehr eng, und wir profitieren stark von ihrem Know-how, etwa bei Sicherheitsfragen oder bei der Planung der Elektrifizierung. Primeo Energie hat uns beispielsweise dabei geholfen, die Ladeinfrastruktur und die gesamte Logistik möglichst lösungsorientiert anzugehen.
Bleiben wir bei den Parallelen zwischen der Tour de Suisse und Primeo Energie. Sowohl der Radsportevent als auch die Energietransformation sind komplexe Projekte. Welche Gemeinsamkeiten siehst du sehen Sie zwischen Spitzensport und der Energietransformation?
Eine der grössten Parallelen ist ganz klar der Ausdauercharakter. Sowohl der Radsport als auch die Energietransformation sind keine Sprintprojekte. Es braucht für beides einen langen Atem und ausrechend Energie. Im Radsport entscheidet sich ein Rennen selten am ersten Tag. Es geht darum, über mehrere Etappen hinweg konstant Leistung zu bringen und die Spannung bis zum Schluss aufrechtzuerhalten. Ähnlich ist es bei der Energietransformation: Es braucht langfristige Planung, Disziplin und auch die Fähigkeit, mit Unsicherheiten umzugehen.
Was heisst für Sie Führung und inwiefern ist sie wichtig bei der Planung der Tour de Suisse?
Führung bedeutet vor allem, die richtigen Menschen zusammenzubringen und eine gemeinsame Zielsetzung zu schaffen. Das ist bei Primeo Energie sicher nicht anders. Bei der Tour de Suisse arbeiten wir in einem Umfeld mit vielen Unbekannten. Entscheidungen müssen oft schnell getroffen werden. Das funktioniert nur, wenn das Team gut eingespielt ist und Verantwortung übernimmt. Es geht nicht um hierarchische Führung, sondern um Vertrauen, Zusammenarbeit und eine gemeinsame Kultur. Nur so können wir die Tour de Suisse laufend weiterentwickeln und verbessern.
Wofür soll die Tour de Suisse 2026 stehen und welches Signal möchten Sie senden?
Die Tour de Suisse 2026 steht für Aufbruch und für den Blick nach vorne. Wir wollen zeigen, dass sich auch ein traditionsreicher Sport weiterentwickeln kann. Im Zentrum steht das Erlebnis, also ein Event, der Menschen verbindet, begeistert und gleichzeitig neue Impulse setzt.

Primeo Energie ist im Radsport vielseitig engagiert und unterstützt neben landesweit bekannten Events wie der Tour de Suisse oder der Tour de Romandie auch lokale Velovereine und Veranstaltungen wie die Trail Days Baselland in Aesch.
