Primeo Energie hat im Jahr 2025 ein gutes Ergebnis erzielt und konnte den Gewinn trotz eines gesunkenen Umsatzes steigern. Gleichzeitig setzte die Genossenschaft einen Gewinnbeitrag von mehr als 11 Millionen CHF ein, um die künftigen Tarife in der Grundversorgung zu entlasten. Primeo Energie ist finanziell gut positioniert, um ihre Investitions- und Wachstumsstrategie weiter umzusetzen.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Gewinn steigt auf 109 Mio. CHF, EBIT bei 127 Mio. CHF, Umsatz bei 1,8 Mrd. CHF
- Frankreichgeschäft wächst stark: 120'000 neue Privat-Kundinnen und Kunden, Schweizer Stromgeschäft wieder leicht profitabel
- Netzgeschäft unter Druck durch sinkenden Industrieverbrauch und regulatorische Vorgaben
- 477 Mio. CHF Investitionen in den vergangenen drei Jahren, über 200 Mio. CHF für 2026 geplant
- Breite Diversifikation über Segmente und Länder stärkt Stabilität in volatilem Marktumfeld
Die energiewirtschaftliche Lage zeigte sich 2025 erstmals seit 2020 wieder ruhiger. Primeo Energie erwirtschaftete in diesem Umfeld einen Umsatz von 1,8 Milliarden Franken. Dies entspricht einem Rückgang um 392 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr (2,3 Milliarden Franken). Hauptgründe sind niedrigere Strompreise bei einem in der Schweiz insgesamt tieferen Absatzvolumen. Das operative Ergebnis (EBIT) stieg von 124 Millionen auf 127 Millionen Franken. Der Gewinn erhöhte sich von 91 Millionen Franken auf 109 Millionen Franken. Die konsolidierte Bilanzsumme von Primeo Energie beträgt wie im Vorjahr 3 Milliarden Franken. Leicht höher ist die Eigenkapitalquote, welche bei 59 Prozent (VJ 56) liegt. Damit bleibt Primeo Energie solide finanziert.
Das Wachstum bei EBIT und Gewinn ist im Wesentlichen auf das Segment Energielösungen zurückzuführen. Zur Stärkung der finanziellen Stabilität wurde das Geschäftsportfolio der Primeo Energie-Gruppe gezielt angepasst. Dabei wurden Aktivitäten mit fehlender kritischer Grösse oder unzureichender Profitabilität veräussert. Dazu zählen der Verkauf der Windenergieanlagen in Norwegen sowie der Elektromobilitätssparte in der Schweiz.
Primeo Energie ist finanziell gut positioniert, um ihre Investitions- und Wachstumsstrategie weiter umzusetzen. In den vergangenen drei Jahren investierte die Primeo Energie-Gruppe insgesamt 477 Millionen Franken, für 2026 sind über 200 Millionen Franken geplant. Die Mittel fliessen vor allem in den Ausbau von Produktionskapazitäten in den Bereichen Strom und Wärme.
Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung kommen voran
Im Berichtsjahr setzte Primeo Energie die Massnahmen aus der erneuerten Unternehmensstrategie konsequent um. Die Transformation der Energieproduktion hin zu erneuerbaren Energieträgern wurde weiter vorangetrieben. So ging beispielsweise im Herbst 2025 die neue Heizzentrale des Wärmeverbunds Aesch in Betrieb – zusammen mit der ebenfalls neuen Heizzentrale in Arlesheim ein zentraler Baustein für die dekarbonisierte Fernwärmeversorgung im Birstal.
Auch die dezentrale Stromproduktion wächst weiter: Ende 2025 waren im Netzgebiet von Primeo Energie 9'740 Photovoltaikanlagen in Betrieb, 903 mehr als im Vorjahr. Auch bei stromnahen Dienstleistungen ist ein Zuwachs zu verzeichnen. Die Messpunkte beim Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) etwa stiegen um fast 31 Prozent auf rund 19'300 (VJ 14'800). Der von Primeo Energie bewirtschaftete Regelenergiepool «equalio» wuchs von 261 auf 276 flexible Produktionseinheiten. Dieser Anlagenpool partizipiert auch an der Winterreserve. Die schrittweise Ausweitung dieser Dienstleistungen im französischen Markt trägt zur Skalierung des Geschäfts bei und unterstützt die strategische Weiterentwicklung von der reinen Stromverkäuferin hin zum integrierten Anbieter von Energielösungen. Gleichzeitig werden zahlreiche Prozesse, Anlagen und Dienstleistungen von Primeo Energie immer stärker digitalisiert. Beispiele sind der Ausbau von Smart Metern, die Erweiterung der Website «Wärme und Strom der Zukunft» oder die neue App «Hey Primeo».
Segmententwicklung: Energielösungen stark, Herausforderungen im Netz
Die Gruppenstruktur sowie die geographische Diversifizierung von Primeo Energie erweisen sich weiterhin als stabilisierender Faktor. Das Frankreichgeschäft bleibt, wie bereits im Vorjahr, ein zentraler Wachstumstreiber im Segment Energielösungen. 2025 konnten rund 120'000 neue Privatkundinnen und -kunden gewonnen werden. Auch das Schweizer Stromgeschäft entwickelte sich positiv und schloss erstmals seit mehreren Jahren wieder leicht positiv ab.
Das Segment Netz und Dienstleistungen ist geprägt von einem regulatorisch ungünstigen Marktumfeld. Über das Stromnetz wurde insgesamt weniger Energie transportiert. Das führte zu geringeren Einnahmen. In der Grundversorgung entstanden zudem während der Energiekrise höhere Beschaffungskosten als ursprünglich bei der Tarifberechnung angenommen. Ein Teil dieser Mehrkosten kann aus regulatorischen Gründen nicht vollständig über die Stromtarife weitergegeben werden. Zudem verzichtet Primeo Energie auf über 11 Millionen Franken an Gewinn, um die künftigen Tarife in der Grundversorgung zu entlasten, ergänzend zu den bereits zweimal gewährten 25 Millionen Franken aus Vorjahren. Dadurch entstand in diesem Bereich ein Verlust. Hinzu kommen längerfristige Entwicklungen: Der Stromverbrauch in der Industrie ist rückläufig, viele Kundinnen und Kunden gehen bewusster mit Energie um, und immer mehr Haushalte produzieren dank eigener Photovoltaikanlagen einen Teil ihres Stroms selbst. Diese Trends dürften auch in Zukunft anhalten.
Das Segment Wärme und Industrielösungen entwickelte sich solide. Mehrere strategische Projekte, darunter der Fernwärmeverbund Unteres Wiggertal, die Mehrheitsübernahme der Energie Einsiedeln AG sowie neue und erweiterte Wärmeverbünde in Muttenz, Aesch und im Birstal, stärken die Wachstumsbasis. Die milde Witterung dämpfte jedoch den Absatz.
Trotz wetter- und marktbedingter Schwankungen bestätigte sich die Stabilität des Segments Produktion mit einem breit diversifizierten Produktionsportfolio aus Wasser-, Photovoltaik- und Windenergieanlagen in sechs Ländern sowie langfristigen Bezugsverträgen. Ein Meilenstein war zudem die Inbetriebnahme des ersten Batteriespeichers von Primeo Energie in Kappel (SO).
Ausblick
Auch 2026 stehen die Weiterentwicklung des Stromgeschäfts in der Schweiz, der Ausbau der Aktivitäten im Ausland sowie die Umsetzung neuer regulatorischer Vorgaben im Netzbereich im Mittelpunkt. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten, regulatorischer Veränderungen bleibt die Entwicklung der Energiepreise volatil. Das regulatorische Umfeld in der Schweiz führt in der Grundversorgung zu einer sinkenden Ertragslage, was die Investitionstätigkeit besonders im Bereich der Stromnetze spürbar reduzieren wird.
Medienkontakt: medienstelle@primeo-energie.ch
